Jenobi

Zunächst die Fakten: Vor zehn Jahren nahm die junge schwedische Bassistin Jenny Apelmo Mattsson einen Nachtzug von Göteborg nach Berlin. Sie wollte vielleicht zehn Monate in Deutschland bleiben, doch dann kam ihr die Hamburger Band Torpus & The Art Directors dazwischen, fur die sie die folgenden zehn Jahre den (Kontra-)Bass bedienen sollte. Daneben machte Apelmo Mattsson stets auch eigene Musik fur ihr Soloprojekt Felicia Försvann, hier erschien 2016 die wunderhubsche, sehr intensiv in ihrem Homestudio aufgenommene EP „Pretty confused, walking home with no shoes“.

Apelmo Mattsson schrieb auch weiterhin Songs, sie entwickelten sich immer stärker in eine andere Richtung: wutender, bockiger und – angelehnt an die vielen spannenden Vorlagen der Indierock- Kunstler*innen aus Skandinavien – dunkler. Sie entdeckte andere Frauen des Singer-/Songwriter- Genres fur sich – allen voran Lykke Li und Feist –, sie griff immer häufiger zur E- statt zur akustischen Gitarre, und sie fand immer mehr Mut, Songs zu formulieren, die tief aus ihrer Wut uber das Unverstandene sprechen. Bei alldem empfand sie, dass die Zeit fur Felicia Försvann abgelaufen war – „es hat sowieso immer zu Verwirrung gefuhrt, weil die Leute dachten, ich heiße so“, lacht sie. Und so hob sie jenobi aus der Taufe.

Rund drei Jahre arbeitete Jenny Apelmo Mattsson, alias jenobi, an dieser Musik die sich nun auf ihrem Debutalbum „Patterns“ findet. Manche Songs gingen schnell, andere durchliefen viele verschiedene Inkarnationen und wurden immer wieder neu angedacht. Sie alle verbindet eine in jenobis Musik neue Dunkelheit, sowie die Kunst, jedem einzelnen Klang einen Wert zu verleihen und an die perfekt passende Stelle zu setzen.

Auf der Platte hören wir die besonderen und eigenständigen Arrangements von Jenny Apelmo Mattsson, die nicht nur die Lieder sondern auch die Gitarren und Bässe selbst komponiert, geschrieben und gespielt hat. „Ich bin Feministin“, sagt sie, „und es war daher immer mein Wunsch als Frau selbständig Musik und Kunst zu schaffen“. Noch auf dem Album zu hören ist Felix Roll am Schlagzeug sowie Sönke Torpus am Klavier. Das Album ist von Apelmo Mattsson und Roll produziert und ist mit Torpus als Co-Produzent in seinem neuen „the bubble studio“ aufgenommen worden.

Vertrauen, Einflusse: All das findet sich auch in den Texten der Platte wieder, die nicht umsonst den Titel „Patterns“ trägt. Denn, so Apelmo Mattsson: „In jedem von uns gibt es gewisse Patterns, also Muster, die bestimmend sind fur das weitere Leben: Weil sich deine Eltern so und so verhalten haben, weil deine Kindheit dich in bestimmter Weise geprägt hat, hast du fur dich gelernt, immer wieder ähnlich auf vergleichbare Situationen zu reagieren.“ Diesen Mustern geht Apelmo Mattsson auf dieser Platte auf den Grund, durchaus in sehr persönlicher Form. Eine Form, die sich indes dank der prägnanten Texte wiederum ubertragen lässt auf jede*n von uns.

Live dabei ist Felix Roll am Schlagzeug, sowie die Keyboarderin Lorena Clasen und die Gitarristin Dorothee Möller, um die vielschichtigen und doch jederzeit sehr gekonnt reduzierten Arrangements auch im Konzert optimal widerzugeben. Doch vor den Konzerten steht – schon aufgrund der aktuellen Pandemie-Problematik – erst einmal dieses wunderbare, beruhrende Album, das es uns erlaubt, Apelmo Mattsson und ihren Gedanken zu den Mustern und Prägungen des Lebens sehr nahe zu kommen - es sollte sich nur ausreichend Zeit genommen werden. Weshalb Apelmo Mattsson fur einen Erstkontakt mit „Patterns“ beispielsweise ein gutes Glas Rotwein im „Eldorado“ empfiehlt, der Lieblingsbar vieler Hamburger Musiker*innen (und zugleich auch der Entstehungsort vieler ihrer Texte). Dann werden diese Songs schon von ganz alleine zu sprechen anfangen – da ist sie sich sicher. Und sie durfte Recht behalten.