Stay home, read a book, hat ein alter weiser Mann des Hardcore mal gesagt. Aber jetzt mal ehrlich:

Wer Bücher liest, was weiß der schon übers Leben? Instrument, die Münchener Band um Mastermind Markus Schäfer, ist mit ihrem dritten Album in Sphären angekommen, in denen es jetzt um solche, ähem, erwachsenen Dinge geht: grundlegende Fragen des Lebens, der Liebe und des Lasters, Denken statt Saufen, wahres Empfinden statt wirklich cool finden, Augen weit auf und gerne auch mal mit einer Prise Politik - und nicht nur mit Stimmung, Staunen, Emotionen.
 
College Pop no more also, aber auch keine übersteuerte Instrumentalopulenz, und auch kein Monster-Of-Intellektuellenrock. Sondern schlicht und einfach Songs, die von etwas handeln. Ob dabei gesungen wird oder nicht, spielt dabei kaum eine Rolle. Nicht, weil die Texte nicht der Erwähnung wert wären. Die Texte von Instrument sind eigentlich ein Instrument, so wie die Stimmen, die wir hören. All das gleitet, alles verbindet sich miteinander und bildet einen großen, einzukreisenden Komplex an Melodien, GitarrebassundDrumsbrettern und Ideen, in Worte gekleidet.
 
Wer ist Ehrmantraut? Der aus Breaking Bad? Oder war der mal Eishockeynationalspieler? Glockenbach, oh Glockenbach: endlich das Anti-Gentrifizierungslied für München? Oder doch nur eine Stadtviertelhymne für da, wo früher die Aloha Bar zu laut war, und heute die vielen stromlinienförmigen Espressobars viel zu leise sind, um noch einen Unterschied zu machen zu, sagen
wir mal, Friedrichshain, Köln-Süd oder St. Georg. Irgendwie wird vieles angedeutet, poetisch gemacht und dann wieder mit Donnerhall versiegelt, um es auf ewig in der Hölle des Rock abzusieden und keiner Deutung zu zu führen.
 
Wenn man weiß, wie detailverliebt, wie manisch fast und mit dem festen Willen zur Kunst um der Kunst willen, ohne Planaspekt für kommerziellen Erfolg oder ausverkaufte Hallen die Band Instrument im Studio so lange arbeitet, bis am letzten aber auch allerletzten Detail gefeilt wurde, dann weiß man, dass nichts ohne Grund passiert. Es geschieht, weil man, wie in einem guten Buch, auch von einem
Musik-Album im Jahr 2014 in eine Welt geführt werden will die man nicht kennt. Die einen anregt und inspiriert, die die Fantasie auf Reisen schickt und einem gelegentlich das Gefühl vermittelt, nicht in einem staubtrockenen Buchladen zu stehen, sondern in einer bierumschwemmten Konzerthalle, im Dickicht der Lichter, mit einem Getränk in der Hand und der Musik von vorne, in sehr großer Laustärke: die Band, die dort spielt, müsste Instrument sein. Mit all ihren wunderbaren Songs von diesem großen Album.
 
Was da passiert? Man könnte ein Buch darüber schreiben.

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